Bienen kommen auf die Waage

Digital-Projekt bringt Stadtwerke, Imker und Schule zusammen Messdaten liefern wichtige Infos über Zustand des Bienenvolkes

Garbsen, 11. Juni 2026. Wie soll die Welt von morgen aussehen? Wie ist Nachhaltigkeit zu erreichen, die die Lebensqualität der Menschen verbessern kann? Der Schlüsselbegriff hierfür sind Informationen, so die Stadtwerke Garbsen (SWG energy). Auf dieser Basis hat der Energieversorger bereits seit Anfang der 2020er Jahre innovative, intelligente Technologien entwickelt. Das Stichwort hierzu: Smart City – ein Konzept, das vernetzte Informations- und Kommunikationssysteme nutzt, um sich weiterzuentwickeln. Dazu sammeln Sensoren Daten, die sie zuverlässig über lokale Daten-Netzwerke weitergeben. Eines dieser Smart-City-Projekte der SWG energy ist die Bienenwaage. Jetzt haben sie dieses Projekt mit dem Garbsener Imker Daniel Dietrich und der Schulimkerei des örtlichen Johannes-Kepler-Gymnasiums erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit vorgestellt. Denn seit gut einem Jahr hat die von den SWG energy entwickelte und vormals von Imker Dietrich betreute Waage im Garten der Schulimkerei ein neues Zuhause gefunden – ein Geschenk sozusagen der SWG energy und Imker Dietrich, der auch Co-Betreuer der Forscherklasse des Gymnasiums ist.

Vorausgegangen war die Idee Dietrichs, auch Schülerinnen und Schülern die Verbindung von Natur, Digitalisierung und moderner Funktechnik näherzubringen. „Diese Idee fanden wir so klasse, dass wir diesem Projekt direkt zugestimmt haben – eine wirklich tolle Möglichkeit, um Technik, Natur und Innovation zu verbinden“, sagt Thomas Drucklieb, Leiter Technik bei den SWG. Für Hobby-Imker Dietrich ist der neue Standort zudem ideal, „um Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie innovative Technik in der Praxis genutzt wird“, meint er.

Auch aus schulischer Sicht liegen die Vorteile einer Bienenwaage laut Klassenlehrer der Forscherklasse David Dieckmann auf der Hand: „Mit der Bienenwaage können unsere Schülerinnen und Schüler wichtige Ereignisse im Bienenjahr – etwa Honigernte, Schwärmverhalten oder Zufütterung – anhand konkreter Messdaten analysieren und interpretieren. So wird die Schulimkerei zu einem lebendigen Lernort“, findet Dieckmann und dankte im Namen des Johannes-Kepler-Gymnasiums den Stadtwerken für die großzügige Unterstützung dieses Projektes.

Aber warum müssen Bienen überhaupt auf die Waage und wie funktioniert solch eine Messtechnik?
Solange die Bienen genügend Nektar in die Waben bringen, geht die Natur ihren „geregelten Gang“ und das Ökosystem stimmt. Kritisch wird es, wenn zum Beispiel – durch den Klimawandel – im Winter die Temperaturen zweistellige Plusgrade erreichen. In diesen Fällen droht das Bienenvolk zu verhungern. Die Insekten werden dann munter und futtern den ihnen im Herbst als Nahrung zugeführten Zuckersirup noch vor Beginn der Blütezeit weg. Fehlt dann Nachschub vom Imker, verendet das Volk. „Die Gewichtskontrolle des Bienenstocks durch den Imker ist eigentlich das ganze Jahr über eine Pflichtübung“, sagt Hobby-Imker Dietrich. Auch im Sommer weiß er und nun auch die Forscherklasse dank der smarten Messung stets genau, wie hoch der aktuelle Ertrag der Bienenvölker ist. „Das sind für mich wichtige Vergleichswerte für die Menge an Honig, die jedes Volk produziert“, so Dietrich. Abgesehen vom Gewicht misst die Bienenwaage noch die Außentemperatur am Bienenstock. „So erhalten wir zusätzliche Daten zum Vergleich der Jahrestemperaturen und können hier eine Historie aufbauen“, sagt Dietrich.

Die Waage selbst schaut eher unscheinbar aus: Sie besteht aus zwei 30 Zentimeter langen und zehn Zentimeter breiten Wiegemodulen aus Edelstahl sowie einem Funkmodul – eine Art elektronische Box, die die Daten per drahtlosem Netzwerk an eine auf dem Rathaus installierte Funkantenne leitet. Von der Antenne werden die Daten an einen Server weitergeleitet, bei dem die Sensoren der SWG registriert sind, sodass der Versorger sie hierüber zur Datenverarbeitung abgreifen kann – jede Viertelstunde.

„Wir sehen, dass die Digitalisierung erhebliche Vorteile und Chancen mit sich bringt“, erklärt Lydia Kusch, Kaufmännische Leiterin der SWG. „Selbst wenn eine Bienenwaage nicht die ganz große Bedeutung für ein Ökosystem hat. Aber wir bei den SWG energy investieren in moderne Technologien und entwickeln zusätzliche Netze, die auch von Dritten genutzt werden können – seien es private und gewerbliche Kunden oder kommunale Verwaltungen. Denn wir haben die Ambition, die Zukunft in Garbsen aktiv mitzugestalten und zudem Teil der Lösungen für morgen zu sein“, betonte sie.

So initiieren die Stadtwerke schon seit Jahren mehrere Projekte im Internet der Dinge – dem Internet of things (IoT). Das ist, vereinfacht gesagt, eine Vernetzung von Gegenständen per Sensoren übers Internet. Mitarbeitende der SWG kreieren mit Hilfe von Sensoren, Software und weiterer neuer Technologien Projekte für eine Smart-City Garbsen. Die Stadtwerke haben bereits CO²-Projekte an Schulen umgesetzt oder den Einsatz von Bodenfeuchtesensoren realisiert, die Kennzahlen für die CO²-Speicherfähigkeit von Bäumen in Garbsen liefern. Die Bienenwaage ist ein Prototyp. Der Einzelpreis liegt im höheren dreistelligen Bereich. Das Projekt Bienenwaage wurde bewusst realisiert, um in diesem wichtigen thematischen Umfeld aufzuzeigen, dass auch hier die Digitalisierung Vorzüge in der Anwendung bringt.